In Griechenland arbeitende Archäologen haben die ältesten bekannten Holzwerkzeuge der Welt ausgegraben, die 430.000 Jahre alt sind. Diese Entdeckung verändert unser Verständnis der Fähigkeiten früher Homininen grundlegend und zeigt den fortgeschrittenen Werkzeuggebrauch vor der Entstehung des modernen Menschen. Die am Fundort Marathousa in Südgriechenland gefundenen Werkzeuge sind mehr als 100.000 Jahre älter als der früheste bestätigte Beweis des Homo sapiens.

Die Entdeckung: Grabstöcke und unbekannte Geräte

Der Fund umfasst zwei verschiedene Holzartefakte. Bei dem einen handelt es sich um einen massiven Grabstock mit einer Länge von über 60 cm, der deutliche Gebrauchsspuren aufweist, die auf das Graben zurückzuführen sind. Dies deutet auf eine absichtliche Modifikation für einen bestimmten Zweck und nicht auf einen versehentlichen Bruch hin. Der andere Artikel ist kleiner, vollständig entrindet und hat abgerundete, narbige Enden. Seine Funktion bleibt unbekannt, aber Forscher spekulieren, dass es bei der Herstellung von Steinwerkzeugen geholfen haben könnte – ein Beweis für die Vielseitigkeit der frühen Hominin-Technologie.

Warum Konservierung wichtig ist

Das Überleben dieser Holzwerkzeuge ist außergewöhnlich. Sie wurden in feuchtem Boden konserviert, wodurch eine sauerstoffarme Umgebung entstand, die den Verfall verhinderte. Dies unterstreicht die Seltenheit solcher Funde; Holz zersetzt sich schnell, was antike Holzartefakte außerordentlich wertvoll macht. Die Erhaltung organischer Materialien neben Steinwerkzeugen ermöglicht eine vollständigere Rekonstruktion der früheren Umwelt, einschließlich der Pflanzen- und Tierwelt.

Ein Seeufer-Ökosystem in einer Eiszeit

Der Standort Marathousa war während einer ansonsten kalten Eiszeit eine blühende Seeuferumgebung. Bei Ausgrabungen wurden Knochen von Elefanten, Flusspferden, Hirschen und Wildschweinen gefunden, was auf ein relativ mildes Mikroklima hindeutet. Das Vorhandensein von Süßwassermollusken, Schildkröten und Vögeln bestärkt die Annahme, dass dieses Seeufer einen stabilen Lebensraum sowohl für Menschen als auch für die vielfältige Fauna bot.

Wer hat diese Werkzeuge hergestellt?

Die Identität der Werkzeugmacher bleibt ein Rätsel. Die Werkzeuge stammen deutlich aus der Zeit vor dem Homo sapiens, was darauf hindeutet, dass sie entweder vom Homo heidelbergensis oder sehr frühen Neandertalern hergestellt wurden. Die Mehrdeutigkeit unterstreicht die Komplexität der Evolution und Migration der Homininen in dieser Zeit.

Implikationen für das Verständnis frühen menschlichen Verhaltens

Diese Werkzeuge zeigen, dass die frühen Homininen über ein ausgeprägtes Verständnis der Materialeigenschaften verfügten. Sie nutzten aktiv Holz neben Stein und Knochen, was auf Anpassungsfähigkeit und Einfallsreichtum hinweist. Diese Entdeckung vertieft unser Verständnis darüber, wie antike Bevölkerungen mit ihrer Umgebung interagierten. Die Marathousa-Stätte zeigt, dass unsere Vorfahren nicht nur auf Steinwerkzeuge angewiesen waren; Sie nutzten verschiedene Materialien für verschiedene Aufgaben.

„Diese Werkzeuge bieten einen seltenen Einblick in eine Komponente ihrer Technologie, über die wir sehr wenig wissen, nämlich die, die auf [verderblichen] pflanzlichen Materialien und nicht auf Steinen basierte.“ – Katerina Harvati, Paläoanthropologie-Professorin an der Universität Tübingen.

Die zwischen 2013 und 2019 durchgeführte Ausgrabung unterstreicht die anhaltende Bedeutung der archäologischen Forschung für die Neugestaltung unseres Verständnisses der menschlichen Herkunft. Die Entdeckung dieser Holzwerkzeuge ist eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass die Geschichte der frühen menschlichen Technologie weitaus nuancierter und komplexer ist als bisher angenommen.