Archäologen in Ostnorwegen haben eine historische Entdeckung gemacht und einen riesigen Cache mit fast 3.000 Silbermünzen freigelegt. Dieser Fund, der heute als Mørstad-Hort bekannt ist, stellt die größte Sammlung von Münzen aus der Wikingerzeit dar, die jemals in Norwegen registriert wurde, und erschüttert frühere archäologische Aufzeichnungen.
Vom kleinen Fund zum riesigen Schatz
Die Entdeckung begann unerwartet am 10. April in der Nähe des Dorfes Rena. Zwei Metalldetektoren fanden zunächst nur 19 Münzen auf einem örtlichen Bauernhof. Nachdem die örtlichen Archäologen jedoch alarmiert worden waren, eskalierte die Suche schnell zu einer Großaktion.
„Ich habe scherzhaft gesagt, es wäre schön, wenn wir noch ein paar Münzen finden würden, um die Entdeckung noch größer zu machen“, sagte May-Tove Smiseth, Archäologin bei der Innlandet County Municipality. „Aber die Detektoren haben nie aufgehört zu piepen!“
Die endgültige Zählung beläuft sich auf 2.970 Silbermünzen, ergänzt durch Fragmente von Hacksilber – Silberschmuckstücke, die im Mittelalter zerschnitten und als tragbare, teilbare Währung verwendet wurden.
Eine Momentaufnahme der Wirtschaft der Wikingerzeit
Die Münzen im Mørstad-Hort bieten einen vielfältigen Einblick in die internationalen Zusammenhänge der Wikingerzeit. Experten des Kulturhistorischen Museums in Oslo haben Münzen identifiziert, die in verschiedenen Regionen geprägt wurden, darunter:
– England: Unter der Herrschaft von Æthelred II. und Cnut dem Großen.
– Deutschland: Einschließlich Münzen des Heiligen Römischen Kaisers Otto III.
– Dänemark und Norwegen.
Die Zusammensetzung des Schatzes stellt für Historiker einen wichtigen chronologischen Marker dar. Da die Sammlung Münzen umfasst, die unter dem norwegischen König Harald Hardrada (der von 1046 bis 1066 regierte) geprägt wurden, gehen Forscher davon aus, dass der Schatz um 1050 deponiert wurde.
Dieser Zeitraum ist bedeutsam, da er einen Übergang in der skandinavischen Wirtschaft markiert. Bevor Hardrada eine nationale Münzprägung einführte, bestand ein Großteil des in Norwegen umlaufenden Geldes aus Fremdwährungen. Der Mørstad-Hort fängt genau diesen Moment des wirtschaftlichen Wandels ein.
Reichtum jenseits des Plünderns: Die eiserne Verbindung
Während in der Populärgeschichte der Reichtum der Wikinger oft mit Raubzügen und Plünderungen in Verbindung gebracht wird, deutet diese Entdeckung auf eine strukturiertere, industrielle Quelle des Wohlstands hin.
Archäologen verweisen auf die Geschichte der Region mit der großen Eisenproduktion. Von den 900er bis zum späten 12. Jahrhundert nutzte Skandinavien lokale Moore zur Gewinnung von Erzen und verarbeitete es zu Eisen für den Export in weite Teile Europas. Dies deutet darauf hin, dass es sich beim Mørstad-Schatz möglicherweise nicht um „Beute“, sondern vielmehr um den angesammelten Reichtum eines erfolgreichen industriellen Handelsnetzwerks handelt.
Was liegt darunter?
Die Ausgrabung ist noch lange nicht abgeschlossen. Archäologen bleiben vor Ort und untersuchen, ob der Schatz Teil einer größeren Siedlung ist oder ob noch weitere Schätze im Boden vergraben sind. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, die zur Erhaltung des Silbers beigetragen haben, hat der Standort weiterhin eine hohe Priorität für Forscher.
Der Mørstad-Schatz dient als seltene, greifbare Verbindung zur wirtschaftlichen Komplexität der Wikingerzeit und beweist, dass diese Ära ebenso sehr von hochentwickeltem Handel und Industrie wie von Eroberung geprägt war.

























